Mit Kritik umgehen – Stärke dich und dein Kind mit psychotherapeutischen Erkenntnissen

Stillst du schon wieder? Das Kind hat doch gerade gegessen.

Es schreit, es hat bestimmt Hunger.

Es ist ja viel zu warm angezogen.

Es friert bestimmt, hast du keine Mütze dabei?

Du musst auch nicht bei jedem Mucks direkt springen.

Warum trägst du dein Kind? Es wird ja ganz verhätschelt.

Niemals hätte ich erwartet, wie viele Menschen Meinungen zu meinem Umgang mit dem Kind haben. Bei meinem Partner, meinen Eltern und auch meinen Freundinnen habe ich es gedacht, ja beinahe gewünscht. Aber wirklich jeder Mensch, selbst die Menschen im Supermarkt, meinen jetzt mein Leben kommentieren zu müssen.

Bei den Fremden war es mir relativ egal. Ich kann mir gut vorstellen, dass es anderen auch näher geht als mir. Da ich relativ schlagfertig bin habe ich mir einige Sprüche zurechtgelegt, die ich dann meist als Reaktion auf die Bemerkungen rezitiert habe. Aber meist habe ich einfach nur gesagt: „Danke für deine Meinung.“

Umgang mit Kritik von außen

Bei den anderen Kommentaren meiner mir lieben Menschen habe ich mir letztendlich angewöhnt, nicht direkt mit Abwehr auf die Worte zu reagieren. Warum tat ich das? Wahrscheinlich, weil ich eine super Mutter sein wollte, die alles im Griff hat. Aber ehrlich, das war ich nicht.

Den ersten Schritt zu tun, nämlich sich zu fragen, warum einen die Kritik überhaupt so nahe geht, ist sehr wichtig. Mitunter schwingen persönliche Themen mit, die mit der Kritik gar nichts zu tun haben. „Ich will alles perfekt machen, sonst bin ich ein Versager.“ wäre ein Beispiel. Wenn so ein Grundsatz mein Leben bestimmt, kann man schwer mit Kritik umgehen.

Also habe ich erst einmal wahrgenommen. Ich habe mir angehört, was es zu sagen gab, und dann geschaut, ob da vielleicht etwas Wahres dran ist. Ich war schließlich so in meiner Schiene gefangen, dass ich manches möglicherweise übersehen hatte.

Kritik annehmen statt abwehren

Ich glaube, dass es eine hohe Kunst ist, mit Kritik gut umgehen zu können. Eine Kritik erscheint ja immer wie ein kleiner Angriff auf die eigene Person. Manchmal ist das aber gar nicht so.

Denn meistens geht es ja um die Kritik an einer Handlung. Und das Handeln ist ja nicht der Mensch an sich, sondern eben „nur“ eine Handlung. Und überdies hinaus ist eine Kritik ja immer auch die persönliche Meinung einer anderen Person. Bei meinen Auszubildenden in der Klinik habe ich auch stets versucht, dies zu vermitteln. „Ich gebe dir Vorschläge, die ich auf dem Hintergrund meiner Erfahrung machen möchte.“.

Es ist natürlich wichtig, dass die Kritik konstruktiv ist und nicht destruktiv. Im letzteren Fall hilft dann wahrscheinlich wirklich nur ein „Nein danke.“.

So gelingt es, mit Kritik umzugehen

Ich konnte es zwar durchaus annehmen, wenn mein Partner mein Handeln kritisierte, aber manchmal war die Einmischung von anderer Seite zu viel. Wenn auch gut gemeint, ich wollte wirklich meine eigenen Entscheidungen treffen.

So wird es vielen gehen. Doch nicht alle haben das Handwerkszeug, um sich auch davon abzugrenzen. Manch eine Mutter sieht sich plötzlich in eine Situation versetzt, die sie gar nicht möchte – sei es, dass sie ihrem Kind doch keine Mütze aufgesetzt hatte obwohl sie es wollte oder plötzlich doch eine Flasche in der Hand hält, obwohl sie gerne ausschließlich stillen möchte.

Hier ist das Zauberwort: Abgrenzung. Dabei hilft eine schöne Übung aus dem sozialen Kompetenztraining. Diese findest du im Mamamindful Journal.

Die eigenen Bedürfnisse zu vermitteln ist generell im Alltag nicht immer einfach. Bei einem hoch emotionalen Zustand wie der neuen Mutterschaft in einem Zustand der Schwäche nach der Geburt und mit Schlafmangel umso schwieriger.

Nutzen aus den kritischen Bemerkungen ziehen

Wichtig ist mir noch einmal festzuhalten, dass bei Kritik durch liebe Menschen erst einmal geprüft werden sollte, ob man etwas damit anfangen kann. Viele Konflikte mit dem Partner beginnen mit missverstandener oder unglücklich formulierter Kritik. Der Dialog über das kritisierte Thema sollte aufrechterhalten werden.

Kritik anderer (fremder) Menschen können mit ein bisschen Übung leichter akzeptiert und abgeschmettert werden. Und rückblickend kann man vielleicht darüber schmunzeln, dass sich jede zweite Oma an der Supermarktkasse über Erziehung ausgelassen hat.

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