Seit Baby da ist nur noch Streit – Paarkonflikte als junge Eltern

„Seit Baby da ist nur noch Streit!“ – In dieser Woche geht es um ein richtig heißes Eisen- Paarprobleme. Ich habe nicht ein Paar erlebt, dass die Zeit mit einem kleinen Baby unberührt überstanden hat. Es ist eine Zeit voller neuer Erlebnisse und Grenzerfahrungen und damit auch eine massive Belastungsprobe für die Beziehung.

Nicht umsonst ist die Scheidungsrate ein Jahr nach der Geburt eines Kindes am höchsten.

Dies bedeutet aber umso mehr, dass man besonders pfleglich mit der Paarbeziehung umgehen muss, damit sie nicht mehr Risse bekommt, als sie aushalten kann.

Aus zwei mach drei – Streit vorprogrammiert

Dazu müssen wir uns erst einmal anschauen, was eigentlich passiert. Psychologisch gesprochen entwickelt sich eine Dyade (Zweierbeziehung) zu einer Triade (Dreierbeziehung). Das bedeutet: die Aufmerksamkeit und Zuwendung wird plötzlich durch zwei geteilt, und nicht mehr nur an einen vergeben. Zusätzlich wird die vermehrte Belastung nicht geteilt, sondern exklusiv an einen Teil (den Partner, nicht das Baby) weitergegeben.

Hui! Weniger Aufmerksamkeit. Keine Exklusivität mehr. Fast schon eine Entthronung. Meistens leiden Männer noch mehr darunter als Frauen, da Frauen ja meist (insbesondere durch das Stillen und die Zeit des Mutterschutzes) viel mehr Zeit mit dem Baby verbringen und eine engere Bindung haben.

Die Geburt des Babys ist eine Kränkung

Hier spricht man dann auch von einer großen Kränkung. Das ist schon mal ein Grund, unzufrieden zu sein.

Und auch wenn der Partner das Kind liebt, so kann es doch zu einer großen Eifersucht und Frustration kommen.

  • Die Partnerin verbringt auf einmal viel mehr Zeit mit einem anderen Menschen.
  • Sie hört mir nicht mehr richtig zu und schenkt mir nicht mehr so viel Aufmerksamkeit.
  • Im Bett liegt ein Mensch zwischen uns.

„Klar,“ mögen einige sagen, „das ist doch logisch! Das weiß man doch!“ Und das ist auch richtig. Dennoch bleibt ein Unterschied zwischen dem Wissen darum und der Erfahrung damit.

Ich wusste auch vorher, dass ich weniger schlafen würde, es zu erleben war für mich trotzdem schrecklich.

Es gibt natürlich noch mehr Gründe für Paarkonflikte, und die werden wir uns auch noch anschauen. Als Einstieg in dieses große Feld der Paarbeziehungen wollen wir dieses jedoch einmal exemplarisch rausgreifen und schauen, wie man einen gemeinsamen Umgang mit dieser kritischen Lebensphase finden und was man tun kann, seit Baby da ist nur noch Streit gibt.

Drei Möglichkeiten sind grundsätzlich empfehlenswert:

  • Ein Beziehungsjournal
  • Gemeinsame Aktivitäten
  • Ein liebevoller Umgang.

Streit bewältigen durch ein Beziehungstagebuch

Diese Übung mag ein „Klassiker“ sein und hat schon fast „Brigitte“-Charakter, aber es gibt doch kaum eine bessere Übung, als in seiner Beziehung am Ball zu bleiben. Langfristig empfiehlt es sich, einen festen Termin in der Woche einzurichten, wo das Tagebuch gemeinsam geführt und besprochen wird.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, das Tagebuch zu führen. Die Unterschiede beziehen sich meist auf die mehr oder weniger vorgegebene Anleitung.

Wer einen Zugang zu solch einem Medium hat, der kann es ganz „frei“ führen. Ob Wünsche oder Anliegen, Ärger, Überforderung oder Frust darin vermerkt werden, ist dann ganz dir überlassen.

Der Vorteil ist, dass aktuelle Themen immer einen exklusiven Platz finden. Der Nachteil ist, dass es eventuell dabeibleibt, sich „auszumeckern“, ohne das Handlungskonsequenzen oder ein weiteres Gespräch darüber folgen.

Eine angeleitetere Version findet sich in deinem Mamamindful Journal.

So gibt es weniger Streit: mehr Zweisamkeit

Meine erste „Datenight“ mit meinem Freund fand lange nach dem 2. Geburtstag unserer Tochter statt. Das ist viel zu spät! Gerade mit einem Säugling sind solche exklusiven Veranstaltungen zwar quasi unmöglich, aber kleine Aktivitäten sollten trotzdem gemeinsam durchgeführt werden.

Es war zwar nicht nur Streit seit Baby da war, aber es war trotzdem dringend notwendig.

Damit meine ich nicht das gemeinsame Einkaufen mit Kind im Kinderwagen. Und auch nicht der verzweifelte Versuch in einem Café einen Kaffee zu trinken, während das Kind nach Aufmerksamkeit schreit.

Damit meine ich die Zeit, in denen das Kind schläft und wo ihr beide wach seid. Das werden nicht viele Momente sein. Aber es ist die einzige Zeit, die es gerade als Dyade gibt.

Natürlich kann man fernsehen, zu viel anderem reicht die Kraft vielleicht gar nicht. Aber vielleicht kann man auch zusammen in Ruhe noch einmal etwas essen, gemeinsam Fotos betrachten oder sich einfach mal unterhalten (ohne Ablenkung) – und zwar am besten nicht über das Kind!

Ich wollte nie eines dieser Paare sein, die sich selbst in der ersten Zeit mit Kind verlieren. Und doch war es so, dass es sich schnell sehr ungünstig eingeschlichen hat. Unsere Tochter war auch ein High Needs Baby aber davon abgesehen hätte es wahrscheinlich auch ein ruhigeres Baby gereicht, um viele wichtige Paardinge zu vergessen.

Umso wichtiger sind die kleinen Oasen der Zweisamkeit, und seien sie noch so unromantisch.

Am besten generiert man gemeinsam ein paar Ideen, die auch im Mamamindful Journal gesammelt werden können. Wichtig ist sich daran zu erinnern, dass es sich wirklich um (vermeindliche) Kleinigkeiten handeln soll!

Weniger Streit durch liebevolle Worte

Einen liebevollen Umgang miteinander zu bewahren ist in einer Extremsituation wie der einer jungen Familie wirklich nicht einfach.

Schnell schiebt man sich Aufgaben zu, ist unzufrieden, dass der Partner nicht genug oder zu viel macht oder redet nur noch über organisatorische Dinge oder das Kind.

Das was vorher normal war – eine Liebesbekundung, eine kleine Aufmerksamkeit, Zärtlichkeiten und Sexualität, eine liebevolle Whatsapp oder eine Überraschung – all das fällt plötzlich der neuen, größeren Aufgabe zum Opfer.

Die Folge: einiges von dem, was man an der Partnerschaft schätzte, ist verschwunden. Und damit ändert sich häufig der Ton.

Sich im Streit nicht überbieten

Ich fand mich in einer Situation, wo wir uns gegenseitig überboten, wenn der andere von seinem Stress berichtete. Und dabei wird der Partner, egal welcher, mitunter in seinem Leid und seiner Belastung ganz alleine gelassen und nicht wahrgenommen.

„Ich hatte heute einen so stressigen Arbeitstag, ich wünsche mir nur Ruhe.“ –

„Ich hätte gerne in einem Büro gesessen, dann hätte ich nicht den ganzen Tag keine fünf Minuten für mich gehabt.“ –

„Ja, du konntest ja schön zu Hause sitzen! Ich musste mich mit den Chefs rumschlagen und die Präsentation führen.“ –

„Du hast wenigstens eine kognitive Tätigkeit, ich komme gar nicht vor die Tür“…

Es geht hier nicht darum, wer mehr Leid erlebt. Es geht auch nicht darum, wer es schwerer hat. Beide haben es schwer. Nur anders. Beide sollten sich unterstützen, nicht ausbooten.

Darum möchte ich jeden ermutigen, die Konversation zum Partner auf den Prüfstand zu stellen. Das kann im Beziehungsjournal geschehen, aber auch ganz für sich.

Den Partner in seinen Gefühlen wahrnehmen

Manchmal wirkt es Wunder, einfach zuzuhören und auf das Gehörte empathisch zu reagieren.

„Ich hatte heute einen so stressigen Arbeitstag, ich wünsche mir nur Ruhe.“ –

„Was war denn los?“ –

„Ich musste mich mit den Chefs rumschlagen und eine Präsentation führen.“ – „

Oh Mist, und das nach der Nacht gestern wo wir kaum ein Auge zugemacht haben.“ –

„Ja, das war echt hart. Ich kann nicht mehr… Und dein Tag?“ –

„Ich hatte heute den ganzen Tag keine Minute für mich. Gebrüll, das dauernde Stillen, habe es kaum ausgehalten. Hat auch nur auf mir drauf geschlafen, konnte nichts machen.“ –

„Man ey, das ist echt viel gerade. Ich bin echt beeindruckt, wie du das schaffst.“

Dieses plakative Beispiel soll nur verdeutlichen, wie es funktioniert. Auf den anderen Einzugehen, auch wenn man sonst nichts anzubieten hat, und Verständnis zeigen.

Liebevolles Miteinander statt Streit um´s Baby

Um diesen Prozess zu fördern, können auch gemeinsame Selbstansprachen gefunden werden, die am besten an einer gut sichtbaren Stelle aufgehängt werden. Als Erinnerungsstütze und um nicht in gewohnte Muster zu verfallen, kann dies sehr hilfreich sein. Ein Beispiel von mir und eine Vorlage dazu gibt es auch im Mamamindful Journal.

Was sich so einfach anhört ist wirklich schwierig. Probier es doch gleich heute Abend mal aus. Denn hilfreich ist es in jedem Falle.

Wenn du die Worksheets und Infosheets direkt anschauen möchtest, klicke hier.