Streit mit Partner wegen Kindererziehung – Psychologische Tipps

Streit mit Partner wegen Kindererziehung – etwas, was manchmal ziemlich überraschend kommen kann.

Mit den steigenden Fähigkeiten meiner Tochter und ihrem Wandel vom Säugling zu Kleinkind traten immer mehr Themen auf den Plan, die ich im Vorfeld nicht ausreichend durchdacht hatte.

Eines davon begann mehr und mehr in den Vordergrund zu treten, und das war jenes der Ansichten, die mein Partner und ich die Erziehung betreffend hatten. Und unter Erziehung fasse ich ebenso den generellen Umgang mit dem Kind.

Erziehungsansichten der Partner

Während ich zunächst relativ wenig Grenzen setzte und viele Dinge gar nicht schlimm oder als korrigierenswert erachtete, zeigte mein Partner plötzlich in verschiedenen Punkten klare Grenzen.

So tolerierte ich beim Essen auch das Spielen mit Besteck und Essen und bot den Nachtisch ungeachtet der vertilgten Menge oder des Verhaltens am Tisch an. Mein Partner jedoch entfernte direkt den Teller, sobald nur noch mit dem Essen gespielt wurde. Wenn nichts von der Hauptspeise gegessen wurde, gab es auch keinen Nachtisch.

Hierbei handelt es sich ja um ein harmloses Beispiel. Bei „heißeren“ Themen waren wir ja noch gar nicht angelangt. Aber es zeigte sich, dass wir durchaus unterschiedliche Umgehensweisen hatten.

Unterschiedliche Perspektiven können gut sein

Generell halte ich unterschiedliche Ansichten für sehr fruchtbar. Dafür gibt es ja auch (im Idealfall) zwei Elternteile –  damit man sein eigenes Verhalten auch von Zeit zu Zeit reflektieren kann und sich nicht ganz alleine in eine komische Richtung verrennt.

Dies setzt allerdings voraus, dass man zum einen in der Lage ist, miteinander zu diskutieren und zum anderen in der Lage ist, mit Kritik umzugehen.

Gleichschaltung sollte in der Partnerschaft nicht das Ziel sein

Auch dieses Thema eignet sich hervorragend für das Beziehungstagebuch im Mamamindful Journal, welches ich dir diese Woche wieder vorbereitet habe.

Ein offenes Gespräch über die unterschiedlichen Ansichten und auch den dahinterliegenden Motiven kann oft ein besseres Verständnis für den Partner hervorrufen.

Dabei sollte es nie das Ziel sein, sich absolut gleichzuschalten. Das ist erstens unrealistisch und zweitens auch nicht authentisch. Die Welt ist verschieden, wir Menschen auch. Kinder können sehr gut differenzieren, was bei wem erlaubt ist. Dies setzt allerdings voraus, dass eine gewisse Grundstruktur ähnlich ist.

Gemeinsame Basis in der Partnerschaft

Wenn das Kind verstanden hat, dass zum Beispiel beim Essen am Tisch gesessen wird und gegessen werden soll, dann ist die Basis geschaffen. Sollte jetzt bei Papa die Regel strenger ist als bei Mama oder diese bei Oma und Opa noch einmal ganz anders ausgelegt wird, kann es im Rahmen dieser bereits etablierten Regel durchaus Variationen ertragen.

Sofern es möglich ist, sollten beide Partner die gleiche Grundstruktur verfolgen. Aber auch das ist manchmal gar nicht möglich. Wichtig ist aber zu verstehen, welche Ziele beide Parteien mit ihrem Handeln verfolgen.

Kritik üben – Kritik einstecken

Ein Gespräch über Erziehungsansichten ist manchmal recht unangenehm. Dabei werden oft Verhaltensweisen angesprochen, die als nicht gut oder richtig bewertet werden. Das kann schnell als Angriff auf die eigene Person verstanden werden.

In meinem Beispiel vielleicht: „Warum kritisiert der denn hier jetzt auch schon wieder rum. Weiß der denn nicht wie viel Arbeit das ist, den ganzen Tag hinter dem Kind herzulaufen? Dann bin ich froh wenn sie für den Nachtisch noch ein paar Minuten sitzen bleibt. Ich mach hier schließlich alles, und dann will ich das auch entscheiden.“.

Zuhören und überprüfen

Auf einer solchen Ebene fruchtbar zu diskutieren ist schwierig. Besser ist es daher, sich erst einmal den Eindruck des Partners anzuhören und zu überprüfen, ob vielleicht etwas Wahres dran sein kann. Mitunter erhält man wertvolle Rückmeldungen oder Lösungen für konflikthafte Situationen.

Eine Möglichkeit des strukturierten Thematisierens findest du wieder im Mamamindful Journal.

Als Paar gemeinsam weiterentwickeln

Eine weitere Ebene der Unzufriedenheit beim Streit mit Partner wegen Kindererziehung kann sich auch dann einschleichen, wenn das Kind (und das kann es schon sehr früh) mit seinen Bedürfnissen an beide Eltern herantritt.

Der Klassiker, „sich gegeneinander ausspielen lassen“ beginnt schon früh im ersten Jahr. Wenn das Kind schreit und der eine sich entschlossen hat, es nicht direkt hochzunehmen, der andere aber direkt hinsprintet, entsteht oft ein schleichender Konflikt, der die Partnerschaft beeinträchtigen kann.

Ich habe mich sehr oft darüber geärgert, dass mein Partner mein Kind immer direkt getröstet hat, wenn ich eine Grenze gezogen habe und etwas nicht erlaubt habe. Ich fühlte mich dadurch beinahe hintergangen. Doch das war nie Ziel meines Partners. Er hatte nur andere Prioritäten in dieser Situation.

Im Gespräch mit dem Partner bleiben

Streit mit Partner wegen Kindererziehung – Nur Gespräche können solche Differenzen auflösen. Differenzen, die in einer Partnerschaft ohne Kinder nicht auftreten. Hier bieten sich aber, neben all der Belastung, auch Möglichkeiten der eigenen und der gemeinsamen Weiterentwicklung.

Die Scheidungsrate ist in dem ersten Jahr nach der Geburt eines Kindes besonders hoch. Ich kann mir inzwischen gut vorstellen, warum das so ist. Vielleicht geht es dir ja ähnlich.

Danach flacht sie allerdings deutlich ab. Auch da kann ich mir gut vorstellen, was der Hintergrund ist. Wenn diese massive Anzahl von auftretenden Konflikten gemeinsam angegangen oder sogar bewältigt wird, kann es eine Partnerschaft ungemein stärken.