Arbeit und Baby – Eine unmögliche Kombination?!

Wer diesen Blog verfolgt der hat bestimmt schon mitbekommen, dass ich vor der Geburt meiner Tochter einen tollen Job hatte. Ich habe viel investiert und mein Leben fast vollständig auf meine Arbeit ausgerichtet.

Das habe ich gemacht, weil es mir Spaß gemacht hat, aber das habe ich auch gemacht, weil ich erfolgreich sein und Karriere machen wollte.

Das ist mir geglückt. Nach 6 Jahren Studium und 5 Jahren Weiterbildung habe ich mich hochgearbeitet und war endlich angekommen. Ich hatte meine Auszubildenden, ich hatte Angebote für interessante Weiterbildungen, ich saß in der Leitungsrunde, ich war zufrieden.

All das, wo ich vorher einen großen Teil meines Selbstbewusstseins herbekommen habe, war aber nun, in der Elternzeit. plötzlich weg.

Nur noch Baby Mama

Wie schlimm diese Unwichtigkeit des „Lebens davor“ war, habe ich im Rückbildungskurs festgestellt. Dort lief die Vorstellungsrunde folgendermaßen: „Bitte sagen Sie Ihren Namen, den Ihres Kindes und wann und wie es auf die Welt gekommen ist.“.

Ich werde diesen Abend nicht vergessen. Mir wurde klar, dass mein Leben vorher in diesem Setting absolut keine Wertigkeit mehr hatte. Ich war eine Mutter. Fertig. Arbeit und Baby? Nix da.

Klar ist es auch schön, sich dem gemeinsamen Gefühl hinzugeben, unter Müttern zu sein, endlich zu diesem Club zu gehören. Aber ich wollte ja auch noch eine Person sein! War das zu egoistisch?

Abschied vom Job mit Baby

Für mich war es schwer, im Verborgenen zu agieren und keine Anerkennung vom Chef zu bekommen, keine Kollegen zu treffen, ein inspirierendes Gespräch bei Kaffee im Schwesternzimmer zu haben. Ich vermisste mein altes Ich.

In meinem Fall kam hinzu, dass mir langsam klar wurde, dass ich nie mehr dahin zurückkommen würde. Es deutete alles darauf hin, dass wir nicht nach Berlin gehen, sondern in Osnabrück bleiben würden. Und selbst wenn wir nach Berlin gezogen wären, hätte ich meine Stunden reduziert und damit auch meine Leitungsfunktion abgeben müssen.

Ich trauerte um den Verlust. Wie viele Jahre hatte ich investiert, wie viel Energie und Lebenszeit! Und ich hatte es alles geopfert. Ich sah es tatsächlich als ein Opfer. Ein Opfer, um das mich meine Tochter nicht gebeten hatte. Ein Opfer, dass ich freiwillig erbracht hatte. Und es war schmerzlich.

Es geht gewiss nicht allen so. Eine Freundin von mir, alleinerziehend, bekam das Kind und ging vier Monate später wieder ihrer alten Tätigkeit nach, Vollzeit, das Kind in der Krippe. Sie bewahrte sich ihr „altes Arbeitsich“ in einer bewundernswerten Weise, allerdings zu hohen Kosten.

Verlust der Arbeit bewusst wahrnehmen

In der Verhaltenstherapie sprechen wir bei dem Wegfall einer positiven Sache im Leben von „Verstärkerverlust“. Diese positiven Dinge, ob es jetzt Sport, Freunde treffen, Hobbies oder was auch immer ist, verstärken das positive Erleben.

Und da meine Arbeit nebst vielen anderen meiner positiven Erlebnisse gerade wegfielen, war ich in einer absoluten Situation des Verstärkerverlustes.

Eine Theorie zur Entstehung von Depressionen stützt sich genau darauf: durch eine negative Stimmung oder Erschöpfung werden nicht mehr so viele positive Handlungen durchgeführt, dadurch gibt es weniger positives Erleben, dadurch hat man noch schlechtere Stimmung und so weiter. Es entsteht eine Abwärtsspirale.

Mutterschaft ist für mich ein sehr kritisches Lebensereignis, was durch die neue Rolle schnell mit Verstärkerverlusten einher gehen kann. Die Arbeit war für mich eine starke Säule, die mein Leben hielt, und diese war jetzt weggebrochen.

Neu orientieren mit Baby

Ausgehend von einem Modell der Stützen, die die Stimmung und das Selbstwertgefühl halten, kann man gut und verständlich erklären, was nötig ist um nicht in die Abwärtsspirale zu rutschen. Es gibt viele Theorien hierzu, und ich möchte eine von mir modifizierte Version hier vorstellen.

Die Stützen die die Zufriedenheit halten können heißen

  • Arbeit
  • Soziale Beziehungen
  • Partnerschaft
  • Einstellung zur eigenen Person

Jetzt ist es so, dass wenn eine Stütze wegbricht, die anderen Stützen noch in der Lage sind, das Dach zu halten. Brechen zwei Stützen weg, wird es schon eine kippeligere Angelegenheit. Auf einer Stütze allein kann ein Dach nicht halten.

Wenn jetzt also meine Stütze der Arbeit weggefallen ist, muss ich entweder stattdessen eine neue Stütze aufbauen, zum Beispiel „Mutterschaft“. Oder ich stärke die anderen Stützen, damit trotzdem noch Stabilität herrscht.

Praktische Tipps für Arbeit mit und nach Baby

In dem Mamamindful Journal habe ich ein Arbeitsblatt erstellt, indem du deine Stützen genau unter die Lupe nehmen kannst. Auch ein Beispiel meiner Stützen ist dabei.

Du wirst feststellen, dass viele Übungen aus dem Mamamindful Journal darauf ausgerichtet sind, jeweils einen dieser Bereiche zu stärken.

Solltest du beim Ausfüllen feststellen, dass mehrere Stützen bröckeln, solltest du schnell handeln. Sonst droht sich die Zufriedenheit schnell zu verabschieden.

Und gerade in so einer kritischen Zeit wie dem ersten Jahr mit Baby, in dem viele neue Herausforderungen auf einen zukommen und sich viele Dinge im Leben (leider nicht nur zum positiven) wandeln, braucht jede eine stabile Basis.

Dieser Blogartikel ist mir besonders wichtig. Natürlich liegt das daran, dass es für mich so eine große Herausforderung war.

Kinder zu bekommen ist nach wie vor ein echter Karrierekiller für Frauen. Und auch wenn es „freiwillig“ geschieht, so heißt es doch, dass jede Frau sich erst einmal an die neue Situation anpassen muss- oder dagegen angeht. Und das erfordert eine sehr große Stärke und Kampfesgeist.

Wenn du die Worksheets und Infosheets direkt anschauen möchtest, klicke hier.