Tipps zum Abstillen – Ende der Milchstrecke

Tipps zum Abstillen: Vor dem Abstillen hatte ich eine Riesenpanik. Also bevor ich mein Kind hatte. Ich hatte mir Gedanken gemacht zu der Bindung, die dann gestört werden würde, hatte Sorge dass mein Kind nicht mit den besten Nährstoffen versorgt würde oder hatte Artikel gelesen, in denen Frauen berichteten, dass Ihnen ewig Milch aus der Brust lief.

All diese Sorgen waren in meinem Falle unberechtigt oder ergaben sich halt durch die Natur (mehr dazu in Woche 3 und Woche 4).

Langzeit-Stillen oder Abstillen?

Warum ich darüber im Vorfeld so viel nachdachte, lag an meiner Freundin Gemma. Die hatte eine kleine Tochter und stillte sie mit drei Jahren noch immer. Sie ist eine von diesen „Langzeit-Stillen-Verfechterinnen“, vollkommen „bedürfnis- und bindungsorientiert“ und dabei auch sehr militant und missionarisch.

Auch wenn mich, zugegebenermaßen, das Bild der dreijährigen Tochter, die nach Schnitzel mit Pommes und Klettern auf dem Spielplatz plötzlich energisch dass T-Shirt ihrer Mutter hochriss und sich die Brust schnappt, etwas irritierte, so glaube ich doch an das Gute was dahinter steckt und urteilte nicht.

(Der aufmerksamen Leserin wird der Ton dieses Absatzes und das leicht mitschwingende Urteil vielleicht doch aufgefallen sein- also ich versuchte nicht zu urteilen.)

Abstillen ohne Probleme

Da meine Stillversuche ja nicht so grandios verliefen kam ich relativ gut über mein Sorgenthema „Abstillen“ hinweg. Ich hatte schon Wochen vorher immer eine Stillmahlzeit durch eine Flasche ersetzt, und als ich bei meinen Eltern zu Besuch war, habe ich es mehr oder weniger „aus Versehen“ tagsüber ganz ersetzt.

Mein Kind wurde noch eine Woche ausschließlich morgens gestillt. Eines Morgens nach dem Aufwachen wollte sie einfach nicht mehr. Sie verweigerte die Brust. Damit war das Thema erledigt.

Da ich ja eh zu wenig Milch produziert habe, hatte ich keinen Milchstau, keine auslaufenden Brüste – zwei Tage lang spannten die Brüste, dann war es vorbei.

Kein „Hilfe mein Kind wird noch zum Einschlafen gestillt und verlangt nach der Brust, was soll ich nur tun?“, kein „Welches Abstillprogramm eignet sich am Besten?“ und kein „Was kann ich tun um meinen Milchfluss zu stoppen?“ oder „Mein Kind verweigert jeglichen Sauger, wie bekomme ich Flüssigkeit hinein?“.

Endlich hatte die Doppelfütterung mit Brust und Flasche ihr Gutes.

Damit war mein Körper ganz und gar von meinem Kind gelöst und gehörte wieder mir. Auch ein komisches Gefühl. Aber auch ein ganz und gar grandioses. Ich fühlte mich auf einmal ganz frei. Ich liebe mein Kind, aber nach der Schwangerschaft und Stillzeit wollte ich endlich auch mal wieder exzessiv Kaffee trinken oder ein Glas Wein.

Da ich bei diesem Thema absolut gut weggekommen bin, kann ich auch nur ganz theoretisch wiedergeben, was die wichtigsten Theorien, Tipps und Hausmittel sind, um die Zeit des Abstillens gut zu bewältigen- ohne meine eigene Erfahrung.

Der beste Albstill-Plan

Einen perfekten Plan zum Abstillen gibt es nicht. Eine sinnvolle Methode muss sich immer nach dem Alter des Kindes und den damit einhergehenden Bedürfnissen richten. Die Tipps zum Abstillen müssen also sehr individuell sein.

Vor dem 6. Lebensmonat, also vor Beginn der Beikosteinführung, sollte eine schrittweise Substitution der Muttermilch erfolgen.

Daher empfiehlt sich in diesem Alter ein Stufenplan, in welchem nach und nach Stillmahlzeiten ersetzt werden.

Eine Möglichkeit ist, dem Kind eine Flasche mit abgepumpter Muttermilch oder Milchpulver anzubieten. Dies dient der Entwöhnung von der Brust. Hebammen warnen hier vor der Saugverwirrung. Diese bedeutet, dass das Kind durch die Unterschiedlichkeit von Brustwarze und Sauger irritiert werden könnte und schließlich eine davon verweigern könnte.

Daher sind solche Flaschen am empfehlenswertesten, die der Brustwarze möglichst ähnlich sind, zum Beispiel von Avent* oder NUK*.

Wenn die Flasche verweigert wird, sollte möglichst nicht direkt nach dem nächsten Modell gegriffen werden. Vielmehr solle versucht werden, den Sauger doch noch schmackhaft zu machen, zum Beispiel indem

  • Er nah an die Brustwarze gehalten wird und die gewohnte Stillposition möglichst beibehalten wird.
  • Er in Muttermilch getunkt wird und somit bei dem ersten Kontakt schon positiv wahrgenommen wird.
  • Eine andere Person die Flasche reicht, die nicht die attraktive Alternative der milchgebenden Brust innehält.

Wenn die Modelle direkt nach dem ersten, zweiten oder dritten Fehlversuch gewechselt werden, kann sich die „Verwirrung“ sogar noch verschlimmern.

Durchziehen und immer weniger Stillen

Nach dem 6. Lebensmonat bzw. nach Beginn der Beikosteinführung reduzieren die meiste Frauen die Stillmahlzeiten eh, da sie ja nach und nach durch die Nahrung ersetzt wird. Wer dann abstillen möchte, sollte sich ebenfalls an einen Stufenplan halten, aber unbedingt darauf achten, dass das Kind neben der Nahrung (in der natürlich auch Flüssigkeit enthalten ist) genug trinkt.

Manche Kinder verweigern vollkommen die Flasche. Um die Flüssigkeitszufuhr bei Einführung der Beikost zu gewährleisten, kann direkt auf einen Trinkbecher (zum Beispiel Magic Cup von NUK*) umgestellt werden.

Generell, so scheinen sich viele Experten einig, reichen 7 Tage um erfolgreich abzustillen. Der Schlüssel zum Erfolg ist: Durchziehen. Das Baby wird in den meisten Fällen nicht begeistert sein.

Nur wer nicht einknickt (und das ist zugegebenermaßen sehr schwierig, denn welche Mutter erträgt es gut, wenn das Kind schreit) kann erfolgreich sein. Wer hingegen doch nachgibt, muss sich auf einen viel längeren Zeitraum der Unzufriedenheit einstellen.

Eine bewusste Entscheidung gegen die Brustfütterung

Dabei erscheint es extrem wichtig, dass die Entscheidung für das Abstillen ganz bewusst von der Mutter getroffen wird. Das hört sich erst einmal komisch an, aber nur wenn man voll und ganz dahintersteht, kann man auch die Widrigkeiten überstehen, die das Procedere mit sich bringt.

Triff daher die Entscheidung zu einem Zeitpunkt, der für dich passt und stelle dich auf die Schwierigkeiten ein. Nicht zu stillen heißt nicht, das Kind nicht mehr zu lieben oder die Bedürfnisse nicht mehr zu erfüllen. Es bedeutet eine Veränderung dieser.

Im Mamamindful Journal kannst du eine Liste anlegen, um dir diese Entscheidung leichter zu machen und mehr Klarheit zu bekommen.

Zu viel Milch, was tun?

Oftmals hinkt der Körper hinterher und produziert weiter Milch, auch wenn diese nicht mehr benötigt wird. Um einem Milchstau oder einer Mastitis (Brustentzündung) vorzubeugen sollte also als erstes möglichst nicht abrupt abgestillt werden, sondern sukzessive.

Allerdings sollte dem Körper jetzt nicht vermittelt werden, dass die Milch noch nachproduziert werden soll, also sollte nicht abgepumpt werden. Bei den meisten Frauen ist ja die Milchproduktion eine Kombination aus Angebot und Nachfrage. Wird mehr abgesaugt oder abgepumpt, wird mehr gebildet.

Wichtig ist daher, dass die Brust nur ausgestrichen wird.  Das geht am besten unter der Dusche. Es sollte so viel ausgestrichen werden, dass keine Schmerzen oder starker Druck mehr zu erleben ist, aber nicht so viel, dass eine Nachproduktion angeregt wird.

Des Weiteren helfen Hausmittel, die die Milchproduktion hemmen sollen, wie Kohlblätter auf die Brüste legen oder Salbeitee trinken. Milchfördernde Getränke (zum Beispiel Malzbier) sollten vermieden werden.

Stillen ist mehr als reine Nahrung – Abstillen auch

Das Abstillen ist für viele Frauen, mich eingeschlossen, ein hoch emotionales Thema. Nie mehr wird man seinem Kind so nah sein, nie mehr wird man so viel Kuschelzeit haben oder das phantastische Gefühl, dass das Kind durch einen alleine gedeiht.

Es handelt sich tatsächlich um einen Ablösungsprozess, der bewusst vollzogen werden sollte. Es sollte, wenn möglich, das Bedürfnis des Kindes im Mittelpunkt stehen.

Die Bedürfnisse der Mütter sind oft gegenteilig, entweder sie wünscht sich eine längere Stillzeit weil sie nicht bereit ist, das Kind loszulassen oder sie braucht ihren Körper zurück, zum Beispiel wenn wieder gearbeitet werden muss oder Medikamente verschrieben werden.

Ich verurteile keine für die Entscheidungen, die sie trifft oder treffen muss. Ich plädiere nur dafür, eine Entscheidung genau zu überprüfen und bewusst zu entschließen.

Wer bei diesem Prozess Hilfe braucht, der kann wieder eine Selbstansprache zur Unterstützung nutzen, ein Beispiel dafür und ein Arbeitsblatt gibt es wieder im Mamamindful Journal.

Schau DEIN Bedürfnis an, und das Bedürfnis des Kindes

Womit ich zum Abschluss wieder bei meiner Freundin Gemma wäre. Ich glaube, dass das Kind gar kein Bedürfnis mehr nach der Milch hat. Ich glaube aber, dass die Mutter sehr wohl das Bedürfnis hat, dem Kind Milch zu geben. Vielleicht als Synonym für die Bindung oder für ihr eigenes Gefühl der Unentbehrlichkeit. Das kann ich alles sehr gut nachvollziehen. Diesen Wunsch habe ich auch. Ich möchte ihn nur nicht auf mein Kind übertragen.

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