Selbstfürsorge als Mama – Halloooooooooo! Hier!!!! Ich!!!

Einige Zeit nach der Geburt meiner Tochter, unter dem ganzen Druck, der Verantwortung und der schier niemals endenden Aufgaben, wurde mir eines ganz sonnenklar: Ich war weg.

Klar, mein altes kinderloses Ich war Geschichte, und ich stieg in diese neue Phase meines Lebens ein. Darauf hatte ich mich schließlich auch gefreut.

Doch was ich erlebte, ging darüber hinaus. Ich hatte das Gefühl, dass ich als ICH gar nicht mehr existierte. Ich lebte für mein Kind, um es zu stillen, um es zu wickeln, um mit ihr zu spielen, um sie durch die Gegend zu schieben.

Es war gefühlte Lichtjahre her, dass ich mich mit mir und meinen Wünschen beschäftigt hatte.

Als Psychotherapeutin bin ich da natürlich besonders sensibel. Nicht weil ich mit vielen Menschen darüber sprach, sondern auch weil ich generell selber stets versuchte, viel auf meine Bedürfnisse zu achten.

Ich war schließlich das Zentrum meiner eigenen Welt, und plötzlich war ich irrelevant.

So hart sich das anhört, so erlebte ich es. Es war irrelevant ob ich müde oder hungrig war, ob ich gerne ein Buch lesen oder den Tag auf dem Sofa verbringen wollte. Ich hätte für einen Abend mit Chips und Netflix mehrere tausend Euro gezahlt.

Selbstfürsorge? – Unwichtig!

Keiner interessierte sich dafür, wie es mir ging. Telefonate begannen mit: „Wie geht es der Kleinen?“ statt mit „Wie geht es dir?“. Mein Partner nahm als erstes das Baby, wenn er nach Hause kam und beschäftigte sich mit ihr (wofür ich natürlich auch dankbar bin), aber halt auch nicht mit mir.

„Wie ging es ihr heute?“ –

„War sie heute besser drauf?“ –

„Hast du den Termin beim Kinderarzt gemacht?“

Ich hätte zu diesem Zeitpunkt jede andere Person sein können. Mein altes Leben und mein altes ICH waren wie weggewischt.

Was mir vorher gar nicht aufgefallen war, nagte jetzt an mir. Ich achtete darauf, ob mich jemand nach mir fragte. Als mich der Kinderarzt fragte „Und wie geht es Ihnen mit diesem Energiebündel?“ brach ich in Tränen aus. Ich! Als Profi! Es war eine Mischung aus Rührung, Erleichterung, Dankbarkeit und Erschöpfung, die bei diesem Termin aus mit herausbrach.

Und noch etwas geschah: Ich wollte wieder ich sein. Ich wollte wieder Dinge für mich tun, Dinge auf die ich Lust hatte, Dinge bei denen es um mich ging.

Mama opfert sich selbst

Ich bin der Überzeugung, dass viele Frauen diesen Weg beschreiten. Diese gnadenlose Selbstaufopferung für den Nachwuchs hat die Natur schon geschickt eingefädelt. Doch die fortschreitende Entwicklung von uns Menschen hat auch dazu geführt, dass Frauen sich emanzipiert haben.

Es ist nichts Verwerfliches daran, sich auch einmal nach einer Zeit ohne Kind zu sehnen. Es ist auch nichts Verwerfliches daran, wenn Wünsche entstehen, die über die Pflege des Kindes hinaus gehen. Es ist auch nichts Verwerfliches daran, wenn die Zeit vor der Geburt plötzlich als heiliger Gral erstrahlt und man sich dorthin zurückwünscht.

All diese Wünsche geben Signale. Sie zeigen nur an, dass man selbst eben nicht aufgelöst ist. Und genau deshalb sollte man handeln.

Um sich selbst kümmern? Wie soll das gehen?

Im ersten Jahr ist es schwierig, eine Möglichkeit zu finden, sich selbst zu „reaktivieren“. Es gibt eine Menge von psychotherapeutischen Interventionen und psychologischen Methoden, die sich genau mit dieser Problematik beschäftigen.

Aber alle setzen eines voraus: Freizeit. Und die ist gerade ja nicht verfügbar.

Es ist ja nicht so, also hätten Mütter keine Fähigkeiten, sich um sich zu kümmern. Bei manchen mag das bestimmt der Fall sein, aber ich habe auch viele Frauen kennengelernt, bei denen es nicht so ist. Frauen die Hobbies hatten, soziale Kontakte, buddhistische Lesekreise oder einen phantastischen Selbstfürsorgeplan. Und bei denen mit der Ankunft des Babys alles zusammenbrach.

Für diese spezielle Zeit habe ich nur zwei wirklich hilfreiche Möglichkeiten für mich gefunden. Das eine ist eine generell achtsamere Lebensweise zu etablieren, das andere ist ein ausgefuchster Plan von kleinen Mininischen.

Momente der Selbstfürsorge nutzen

In verschiedenen Artikeln beschreibe ich ja schon, wie ich versuche, achtsamer zu sein. Weniger zu bewerten (Woche 21) oder Achtsamkeitsübungen durchführe (Woche 9).

Daher möchte ich hier nur auf eine kleine Übung verweisen. Ich habe begonnen, mehr auf den Moment zu achten. Unabhängig von den Umständen vorher und nachher.

Wenn ich zum Beispiel nachts von unserer Tochter geweckt wurde, habe ich mich gerne in eine Spirale von Verzweifelung („Wie schaffe ich den nächsten Tag nur?“), Wut („Ich hab nur eine Stunde geschlafen! Das kann doch nicht sein dass ich wieder geweckt werde!“) oder Angst („Der Tag morgen wird wieder eine Katastrophe wenn ich nicht mal etwas mehr geschlafen habe.“) hineingedreht. Keines dieser Gefühle und Gedanken hatte mit der aktuellen Situation zu tun.

Ich habe dann eher auf mich geschaut, wie ich mich jetzt fühle, was ich jetzt wahrnehme. Wie mein Kind jetzt in meinem Arm liegt und wie das Zimmer jetzt aussieht.

Dadurch konnte es mir oft gelingen, einen besseren Raum zu schaffen. Ich fokussierte nicht auf das Gefühl, etwas für mich tun zu müssen, sondern ich konnte einfach sein. Ich war da. Im Hier und Jetzt.

Dies genoss ich durchaus (auch wenn dies in der Achtsamkeit ja kein erwünschter Zustand ist, da auch eine Bewertung) und ich fühlte mich mir wieder näher.

Nischen für Mama Me-Time finden

Trotzdem wolle ich auch etwas tun. Also beschloss ich „es zu machen wie die Bauern: man muss mit dem arbeiten, was man hat“. Ich suchte alle Nischen heraus, die es am Tag gab, und diese nutzte ich.

Ich verzichtete mitunter auf den Mittagsschlaf um mein Journal zu schreiben.

Während ich den Kinderwagen durch den Wald schob, machte ich heimlich Squads.

Sobald mein Freund heimkam, nahm ich eine lange Dusche.

Wenn das Kind nachts wieder einschlief, setzte ich mich alleine auf den Balkon und schaute in die Sterne.

Ich trank besonders achtsam meinen Kaffee, während mein Baby im Tragetuch war.

Zugegebenermaßen sind das alles Dinge, die ich sonst bei Patienten unter „der hat es gar nicht richtig versucht“ abgehandelt hätte. Erstaunlicherweise gaben mir diese Kleinigkeiten aber einen echten Drive. Ich wollte mehr davon. Und so erschuf ich noch mehr Nischen. Und noch mehr Ideen.

Im Mamamindful Journal findest du Hilfestellungen für deine Nischen. Du kannst deine kleinen Ich-Momente sammeln und notieren. 

Wenn du die Worksheets und Infosheets direkt anschauen möchtest, klicke hier.