Wie kann ich mich selbst lieben? Eine einfache psychologische Übung

Wie kann man sich selbst lieben? Gerade in so fordernden und sich verändernden Zeiten wie der Zeit mit einem kleinen Kind?

Inzwischen habe ich ja schon viel über mich berichtet. Über mein Leben, über meine Herausforderungen. Und darüber, dass ich durchaus einige Schwierigkeiten hatte, mich an meine neue Rolle zu gewöhnen.

Doch wenn ich ehrlich bin: das Leben besteht ja aus Wandel. Alles ändert sich. Man kann nichts festhalten. Aber man kann sich erinnern. Und man kann neue, tolle Dinge erleben.

Eine wirksame Übung zur Selbstliebe

Daher soll es in diesem Artikel vor allem um die Liebe gehen. Um die Frage: Wie kann ich mich selbst lieben?

Die Liebe zur eigenen Person. Ich möchte, dass wir uns dieser Liebe bewusst werden. Oft ist es einfacher, die negativen Seiten zu sehen, und die Belastungen.

Darauf lege ich in diesem Blog ja auch einen Schwerpunkt. Gerade weil darüber wenig gesprochen wird, sie aber oft mehr gefühlt werden.

Psychologische Übung zur Selbstliebe

Ich wollte mir noch einmal einiges davon vor Augen führen, was ich „verloren“ hatte, aber auch das nicht vergessen, was ich „gewonnen“ hatte. Dadurch kann zum einen der Verlust besser verarbeitet werden, aber auch die Integration der neuen Anteile in das Selbstbild (darüber schrieb ich ja auch schon in Woche 27) weiter gefördert werden.

Und da ich mittlerweile ja fast ein Jahr lang die Hochs und Tiefs der Mutterschaft erleben durfte, fand ich es an der Zeit, ein bisschen zusammenzufassen.

Die Übung, die ich vorschlage, besteht aus zwei Teilen. Einem Liebesbrief an das „alte Ich“ und das „alte Leben“, und ein Liebesbrief an das „neue Ich“ und das „neue Leben“.

Im Mamamindful Journal findest du alle Unterlagen zu „Wie kann ich mich selbst lieben?“, die ich auch benutzt habe.

Liebesbrief an dein altes Ich – Beispiel

Liebes altes Ich, 

du bist nicht mehr da, und ich vermisse dich! Ich hatte so viel Spaß mit dir.

Ich habe es geliebt, das Wochenende mit dir im Bett zu verbringen und Serien zu schauen. Mir die Nächte mit dir um die Ohren zu hauen und mehr zu trinken, als ich sollte. Und beschwingt ins Bett zu gehen und einfach lange zu schlafen.

Ich erinnere mich an die Streifzüge über Flohmärkte oder Museen, daran, wie wir Berlin genossen haben mit all seinen Möglichkeiten. Wie wir die Freizeit gestaltet haben und wie wir das Gefühl hatte, alles machen zu können.

Ich liebe es, dass wir schöne Dinge gekauft haben, aus Genuss. Wie wir wochenlang geschaut haben, welcher Wasserhahn der schönste für die Küche sei.

Ich bin stolz darauf, was wir beruflich geschafft haben. Wie engagiert du warst, wie zielstrebig und fleißig du an deiner Karriere gearbeitet hast. Wie du dich mit deinen Kollegen verstanden hast und wie du dich um deine Auszubildenden gekümmert hast. Darauf, wie viele Angebote du bekommen hast, und welche Möglichkeiten du dir erarbeitet hast.

Und wie die Liebe dir holt war! Wie wunderschön die erste Zeit der Verliebtheit war, und wie sehr wir das genießen konnten. Und wie jung und schön wir waren..

Es war großartig, dass wir Zeit für uns hatten. Uns verwirklichen konnten. In Hobbies, in Interessen, mit unseren Talenten. Wie gerne wir gebacken haben oder gelesen, wie wunderschön unsere Wohnung aussah.

Ich danke dir für die Zeit, die wir zusammen hatten. Ich denke immer gerne daran zurück.

Bleib in meinem Herzen.

Deine Johanna

Liebesbrief an dein neues Ich – Beispiel

Liebes neues Ich, 

es hat mich richtig gefreut, dich kennenzulernen. Man, das war eine stürmische Begegnung. Dass es so schnell gehen würde, wusste ich nicht.

Du bist eine echte Kämpferin. Wahnsinn, was wir alles zusammen leisten können. Es ist toll, dass wir weiter machen, obwohl die Kräfte schon geschwunden sind. Dass wir den Schlaf und den Hunger besiegen können.

Ich liebe es, wie wir uns um dieses Wesen kümmern dürfen, dass wir bekommen haben. Dass wir uns daran freuen können, an jeder Kleinigkeit. Dass wir so geworden sind, wie wir nie sein wollten, und in Freudestänze ausbrechen bei dem ersten „Mama“.

Ich bin fasziniert von unserer Stärke, die Stärke mit der wir unsere Tochter beschützen.

Es ist großartig, dass wir jetzt viel besser zu schätzen wissen wie schön die kleinen Dinge sind. Und ich meine: auf dem Sofa sitzen. Alleine zur Toilette gehen. Sechs Stunden am Stück schlafen.

Wie sehr wir uns freuen können! Vielleicht sogar noch mehr als mit meinem alten Ich zusammen. Wie es unser Herz erwärmt, wenn wir das Gefühl haben, einen schönen Tag mit unserer Tochter verbracht zu haben.

Ich finde es spitze, dass wir gelassener geworden sind. Dass uns manche Dinge nicht mehr so wichtig sind. Oder dass wir einen Körper haben, der einen Menschen gebaut hat.

Ich liebe auch unsere neue, unperfekte Wohnung. Sie ist bunt und chaotisch und voller Leben. Das haben wir auch gut gemacht.

Mit dir werde ich den Rest meines Lebens verbringen, mein Mama-Ich. Es wird vielleicht noch neue Ichs geben, wer weiß schon, was noch passiert. Aber du bleibst immer. Ich freue mich auf das, was wir noch zusammen erleben.

Deine Johanna

Warum diese Übung die Liebe fördert

Als Psychologin und Psychotherapeutin habe ich es oft erlebt, dass sich Menschen in Trauer um Verlorenes verlieren. Dadurch ist es ihnen nicht möglich, neue positive Erfahrungen zu machen.

Das Abschließen alter Erlebnisse ist daher oft wichtig, um den Fokus wieder neu zu setzen. Dadurch wird der Blick wieder freier und die Frage „Wie kann ich mich selbst lieben?“ kann wohlgesonnener betrachtet werden.