Mama braucht Pause – Cool Moms don´t judge!

Ich gebe gerne zu, ich bin in manchen Fällen sehr schnell mit meinem Urteil. Es braucht nicht viel, dann öffne ich eine Schublade, und schwupps! ist jemand drin.

Es gibt kaum ein herrlicheres Thema zum Urteilen als junge Eltern. Und wer besonders gut urteilen kann, sind die, die keine Kinder haben. Das war ich schließlich auch mal. Und da hatte ich schnell eine Bewertung zur Hand.

Klar, wenn man die Erfahrung nicht selber macht oder gemacht hat, kann man sich in einer idealen Welt bewegen.

Vorstellungen des Mamaseins – und Realität

Als Verhaltenstherapeutin habe ich gelernt, dass Konsequenz extrem wichtig ist. Dass Belohnung mehr bewirkt als Bestrafung (die wirkt erwiesenermaßen gar nicht), dass alle Konsequenzen unmittelbar und direkt erfolgen müssen und dass wir alle am Modell lernen.

Aus dieser Theorie heraus hatte ich immer die besten Erziehungstipps und fällte meine Urteile über die Mütter an der Kasse, die ihrem Kind noch schnell ein Überraschungsei kauften.

Ich wusste was ich wollte. Ich wollte immer liebevoll und geduldig auf mein Kind reagieren, niemals weggehen wenn es einen Trotzanfall hatte (und die würde es wenig haben, da ich ja eine gute Bindung aufbauen würde), keine wenn-dann Sätze machen, keine Süßigkeiten geben, es bestmögichst fördern und nicht mit Plastikspielzeug spielen lassen, meine Karriere nicht aufgeben, nicht um mein Kind helikoptern, nicht auf dem Spielplatz verdummen…

Die Liste könnte ich endlos fortsetzen.

Das Leben hat jedoch (zum Glück!) eigene Pläne. Es bringt uns in Situationen, in denen wir uns schmerzlich bewusst werden, dass wir in der Vergangenheit Urteile gefällt haben, ohne die Hintergründe zu kennen.

Wenn du eine Pause brauchst – egal wie!

Zumindest war das in meinem Fall so. Nach einer Horrorwoche mit kaum Schlaf ertappte ich mich im Supermarkt dabei, wie mein Kind aus Leibeskräften schrie und ich in einem halbwachhalbschlaf Zustand Äpfel in eine Tüte packte, ohne mich meinem Kind zuzuwenden.

Früher hätte ich gerne mein Richterinnenhämmerchen geschwungen und mich darüber echauffiert, was das für eine Mutter ist, die ihr Kind einfach schreien lässt!

Oder ich gab meiner Tochter plötzlich gerne dieses fürchterliche Spielzeug von Oma und Opa, das billige Plastikmusik von sich gab und aus glubschäugigen Tieren auf einer Art Klavier bestand (manchmal habe ich immer noch das „Guckguck“ im Ohr, was bei einer Taste unablässig wiederholt wurde).

Es war für mich einfach wunderbar zu sitzen, und mein Baby war für kurze Momente zufrieden. Mama braucht Pause. Da ist das dann egal. (Holzbausteine hatten diesen Effekt leider nicht gehabt.)

Die innere Pause als Mutter

Ich habe einmal ein Interview mit Jon Kabat-Zinn gelesen, den ich sehr bewundere. Von ihm stammt grandiose Literatur insbesondere zur Meditation*. Sinngemäß war dort geschrieben:

„Wenn etwas geschieht, nimm etwas interessiert auf. Reagiere (innerlich) zunächst mit Neugier, Verwunderung oder Überraschung, bevor du ein Urteil fällst.“

Dieser Spruch begleitet mich seit jeher. Er sorgt nämlich für eine Pause zwischen der Situation und der Bewertung. Und in dieser Pause entsteht Platz für neues. Daher findest du ihn auch im Mamamindful Journal.

Pause von der inneren Richterin – Beispiel 1

Nehmen wir mein (gräßliches) Plastikspielzeug*-Beispiel von gerade. Hätte ich früher eine Mutter gesehen, die ihr Kind mit blinkendem (hatte ich erwähnt, dass es auch blinkt? Ja, Ton UND Musik!) Mistspielzeug gesehen, hätte ich sie direkt als „pädagogisch nicht wertvoll“ abgestempelt. So ungefähr nach diesem Schema:

Situation: Kind spielt mit Schrottspielzeug, Mutter sitzt daneben und trinkt Kaffee.

Resultat: Sie hat sich nicht mit Kinderspielzeug beschäftigt, ist also keine besonders gute Mutter.

Meine Bewertung scheint direkt mit der Situation zusammenzuhängen. Dies tut sie aber nicht. Weil zwischen den beiden die Bewertung liegt, die eigentlich mein Urteil bedingt. In meinem Beispiel also:

Gedanken prüfen und Pausen schaffen – Beispiel 2

Situation: Kind spielt mit Schrottspielzeug, Mutter sitzt daneben und trinkt Kaffee.

Bewertung: Kinder sollen nicht mit Schrott spielen. Das überfordert sie und fördert die Entwicklung nicht optimal. Diese Mutter ist faul/dumm und hat sich nicht belesen. Sie ist egoistisch, weil sie Kaffee trinkt, anstatt sich auf eine sinnvolle Weise mit Ihrem Kind zu beschäftigen

Resultat: Sie hat sich nicht mit Kinderspielzeug beschäftigt, ist also keine besonders gute Mutter.

Wenn also ein Urteil gefällt wird, liegt dies an der eigenen und ganz persönlichen Bewertung der Umstände. Da wir diese in vielen (wenn nicht gar den meisten) Fällen nicht kennen und verstehen, liegen wir manchmal auch daneben.

Anders bewerten und Pausen gönnen – Beispiel 3

Ein letztes Mal an meinem Beispiel erklärt:

Situation: Kind spielt mit Schrottspielzeug, Mutter sitzt daneben und trinkt Kaffee.

Bewertung: Wie schön, dass die gestresste Mutter nach der langen schlaflosen Woche mal einen Moment Zeit für sich hat und einen Schluck Kaffee trinken kann. Mama braucht Pause und nimmt sie sich. Toll! Das Kind hat Freude an Farben und Tönen und daran, sie selbständig hervorzurufen.

Resultat: Sie ist eine gute Mutter, weil sie sich um sich kümmert und dabei trotzdem auf ihr Kind aufpasst.

Dieses Beispiel mag vereinfacht und vielleicht etwas überspitzt sein. Aber es zeigt, dass wir selber unsere Realität gestalten, und zwar anderen aber auch uns selbst gegenüber.

Wer sich selber und seinen Gedanken auf die Schliche kommen möchte, der findet tolle Übungen dazu im Mamamindful Journal.

Cool Moms don´t judge

Gerade unter Müttern ist das Buhlen um die perfekte Mutterschaft und die damit einhergehende (teils militante) Be- und Verurteilung von Verhalten weit verbreitet.

Das Internet ist voll von Hassposts zu stillenden Müttern („Wie kann die nur in der Öffentlichkeit…“) oder Nicht-Stillenden Müttern („Wie kann die ihrem Kind das BESTE vorenthalten…“), arbeitenden Müttern („Wie karrieregeil ist die denn?“) oder nicht arbeitenden Müttern („Schön vom Staat durchfüttern lassen.“) und allen anderen erdenklichen anderen Müttern.

Leben und (Pausen) leben lassen

Dabei streiten sich gerne auch die Schulen (der Erziehungsansätze), die alle ihre absolute Vormachtsstellung beanspruchen. Hinzu kommt, dass die Anonymität des Internets die Hemmschwelle für ein schnelles Urteil zusätzlich senkt.

Ich habe eine tolle Bewegung gefunden.

#coolmomsdontjudge (Coole Mütter urteilen nicht)

Diese beschäftigt sich genau mit dem Phänomen der gegenseitigen Abwertung der anderen Mütter und unterstützt (auch meinen Wunsch) den Gedanken, sich viel mehr als Gemeinschaft zu verstehen.

Eine Gemeinschaft von Frauen, die alle ähnliche Erlebnisse gemacht haben, vor ähnlichen Problemen und Herausforderungen steht, die sollte doch eigentlich zusammenrücken und sich gegenseitig unterstützen und tolerieren, statt sich fertig zu machen.

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Wenn du die Worksheets und Infosheets direkt anschauen möchtest, klicke hier.