Kein Kindergartenplatz was tun?

Kein Kindergartenplatz, was tun?

Oh, was scheiden sich die Geister an dem Thema Kita! Gehen die Kinder zu früh, ist man eine karrieresüchtige Rabenmutter. Gehen sie zu spät, ist man eine helikopternde Glucke. Gehen sie gar nicht, ist man ein weltfremder Hippie.

Ich halte Kindertagesstätten, Krippen oder Kinderläden für eine großartige Sache. Schon allein deshalb, weil Kinder der Karrierekiller Nummer 1 für Frauen ist. „Teilzeitfalle“ ist hier mein Lieblingsstichwort. Wer ein Baby bekommt, der kann selten seinen Job ausüben wie vorher (oder möchte es nicht).

Damit meine ich nicht, dass eine Frau dies „muss“. Ich denke nur, dass sie in die Lage versetzt werden sollte, eine freie Entscheidung zu treffen.

Phantasie und Realität bei der Kindergartensuche

Auch ich wollte mein Kind in die Kita geben. Vor der Geburt plante ich ein Jahr Elternzeit, aber als ich mein Kind dann erlebte, hielt ich doch zwei Jahre für angemessen. Ich war natürlich in einer Luxusposition und konnte mir das erlauben.

(Diese Luxusposition hatte ich mir übrigens durch meine eigene Sparsamkeit in der Zeit vor dem Baby erschaffen. Ich hatte gespart wie eine Wahnsinnige, um genügend Rücklagen für die Versorgung eines Kindes zu haben.)

Naiv wie ich zu Beginn war, fing ich halt irgendwann mit der Suche an. Da ich ja nicht mehr in Berlin wohnte, wo mir die angespannte Kitasituation durchaus bekannt war, ging ich von einer ganz geschmeidigen Aktion aus.

Ich hätte nie gedacht, dass ich vor der Situation stehe: Kein Kindergartenplatz was tun?

Harte Kriterien beim Kitaplatz

Für mich stand fest: am liebsten eine Waldorf-Kita, alternativ eine in der Nähe mit einem ansprechenden Konzept. Ich recherchierte und erstellte Listen, und dann begann ich zu telefonieren. Ich wollte nicht vor der Frage stehen „Kein Kindergartenplatz, was tun?“. Aber…

  • Der erste Schock, den ich bekam, waren die Anmeldefristen, die weit über ein Jahr vor Beginn lagen. Wie durch ein Wunder war ich durch Zufall noch in diesem Zeitfenster gelandet. Und glücklicherweise hatte ich mich erst kurz vorher dazu entschlossen, noch ein Jahr zu warten.
  • Der zweite Schock bestand darin, dass mir einige Kitas bereits jetzt vermittelten, dass keine Plätze frei werden würden. Von „Geschwisterregelung“ oder „Vorzugsplätzen“ hatte ich noch nie gehört.
  • Als dritten Schock bezeichne ich das, was ich bei den „Vorstellungsabenden“ erlebte.

Sich selbst und das Kind verkaufen

Das härteste, was ich erlebte, war die Vorstellungsrunde für die Waldorf Kita. Es würde drei freie Plätze geben, so hieß es direkt am Anfang. In dem Raum saßen rund 70 Menschen. Nachdem gut zehn davon berichteten, dass sie bereits Geschwisterkinder in der Kita hatten, waren mir meine Chancen klar.

Darüber hinaus engagierte sich bereits ein Drittel ehrenamtlich in der Einrichtung, und etliche Kinder besuchten bereits vorbereitende Spielgruppen. Als ich mich vorstellte, wurde ich, zumindest schien es mir so, milde belächelt.

In der Folgezeit schaute ich mir noch acht Einrichtungen an. Ich putzte mein Kind heraus, hörte mir Konzepte an, bewarb meine Familie in den höchsten Tönen und stimmte vorbehaltlos allen Dingen zu, die die Kitas verlangten. In Konkurrenz stand ich zu vielen anderen motivierten Eltern, die sich ebenso anbiederten.

Auf jeden Kindergartenplatz bewerben

Langsam wurde mir bewusst, dass es sich hier nicht um eine einfache Angelegenheit handeln würde. Ich fand es einfach nur schlimm. Mir ging es wahnsinnig gegen den Strich, dass ich um einen Platz betteln sollte, wo es doch um mein Kind ging. Das Wertvollste, dass ich hatte.

Ich wollte, dass sich andere um mich bemühten. Und vor allem wollte ich nicht irgendwas nehmen, nur weil dort ein Platz frei würde.

Am Ende füllte ich 12 Anmeldungen aus. Freundlich und fristgerecht.

Mit jeder Absage steigt die Chance auf keinen Kindergartenplatz

Die erste Absage kam von der Waldorfeinrichtung. Dann kam die von der Kita direkt um die Ecke. Dann die von der Einrichtung der Hochschule, auf die ich hohe Hoffnungen gesetzt hatte. Da waren wir nämlich „bevorzugt“, weil mein Freund an der Hochschule arbeitet. Aber auch das half scheinbar nichts.

Dann kam lange gar nichts. Mit der Zeit flatterten einige Briefe und Emails ins Haus, alle mit dem gleichen Text. „Es tut uns leid…“.

Die blanke Panik stieg in mir auf. Sollte es tatsächlich möglich sein, dass wir keinen Platz erhalten würden? Kein Kindergartenplatz – was tun?

Unser Kitaplatz kam durch Glück zustande

An einem erlösenden Abend rief dann die Leitung unserer Kita an. Sie würden meine Tochter aufnehmen. Ironischerweise handelte es sich hier um die einzige Kita, der mein Freund die Anmeldung einen Tag vor Fristende via Email hingeschickt hatte und wo ich bei keinem Vorstellungstermin gewesen war.

Wer sich nicht auf sein Glück verlassen möchte, dem habe ich einige Tipps zur Kitasuche und alternativer Betreuungsmöglichkeiten im Mamamindful Journal zusammengestellt.

Massive Probleme für Mütter durch mangelnde Kindergartenplätze

Ich habe sehr großes Glück gehabt, das weiß ich inzwischen. Viele Bekannte und Freundinnen haben dieses Glück nicht gehabt. Sie saßen wirklich vor mir und fragten: „Ich habe kein Kindergartenplatz, was tun?“. Und stecken in einer äußerst schwierigen Situation.

Keine Kita, kein Jobeinstieg. In der heutigen Zeit halte ich das für einen Skandal.

Ich möchte gar nicht weiter über die schlimmen Zustände der mangelnden Betreuungsmöglichkeiten in manchen Städten jammern. Meiner Einschätzung bringt dies viele Frauen in so schwerwiegende Probleme dass es mit unbegreiflich ist, warum nicht mehr getan wird um Frauen nicht auf dieses Abstellgleis zu schieben.

Ruhe bewahren – auch wenn es mit der Suche nach dem Kindergarten nicht läuft

Wenn ich an diesen ganzen Prozess denke, sehe ich mich vor meinem geistigen Auge noch immer bei einer Vorstellungsveranstaltung in einer illusteren Runde sitzen.

Brave Babys auf dem Schoß ihrer Mütter, und mein Kind (welches gerade laufen konnte) Regale ausräumend durch die Räume laufen, laut kreischend und „Fuck Fuck Fuck“ rufend.

Panisch und peinlich berührt räumte ich Ordner und Bücher wieder ein, versuchte meine Tochter in Engelszungen zu etwas Ruhe zu ermuntern während mir der Schweiß den Rücken runter lief.

Ich habe die Anmeldung noch nicht einmal geschafft, vollständig auszufüllen, da meine Tochter sich auf meinem Arm wendete und streckte und wie am Spieß brüllte.

Von dieser Einrichtung haben wir übrigens niemals wieder etwas gehört.