Freunde finden als Eltern – ein neues Kapitel

Freunde finden als Eltern – Wie soll das gehen? Und was ist mit den „alten“ Freunden?

Wie so viele Mütter habe ich die Erfahrung gemacht, dass sich viele Freundschaften verlaufen, wenn eine plötzlich ein Kind hat. Die Themen sind einfach andere, und selbst wenn der Wille da ist scheitert es oft an einem gemeinsamen Termin.

„Ich muss jeden Tag bis 17 Uhr arbeiten.“ –

„Ab 17 Uhr kann ich nicht, da gibt es Abendessen und unser Einschlafritual.“ – „

Und am Wochenende?“ –

„Der Vater ist die ganze Woche arbeiten, da wollen wir auch mal Zeit für uns als Familie haben.“

Was das Elternsein mit Freundschaften macht

Als ich noch auf der anderen Seite stand, war ich oftmals so enttäuscht und genervt von meinen Freundinnen. Warum interessierten die sich nicht mehr für mich?

Heute weiß ich es besser: sie haben sich immer interessiert, sie hatten nur keine Energie, keine Zeit und versuchten verzweifelt, sich in ihrem neuen Leben zurechtzufinden.

Während ich damals also Abende mit Seriengucken oder Wein trinken mit (anderen kinderlosen) Freunden verbrachte, neue Hobbies entdeckte oder Nachtschichten schob, hingen meine Jungelternfreunde wie die Zombies in der Wohnung und kümmerten sich um ihr Baby. Dabei haben sie mich wahrscheinlich das eine oder andere Mal beneidet.

Heute stehe ich auf der anderen Seite. Erst jetzt kann ich euch nachvollziehen, liebe Freunde, erst jetzt verstehe ich euch! Und ich habe genau gleich gehandelt.

Was das Elternsein mit Freundschaften macht

Ich habe tolle Freunde (gehabt). Wir hatten unschätzbar viele gemeinsame Erlebnisse, die wahnsinnig schöne Erinnerungen sind. Bei vielen habe ich mich lange nicht mehr gemeldet. Aber ich denke oft an sie. Und daher folgt mein symbolischer Brief an euch:

Liebe Freunde

Es tut mir leid, dass ich fünfmal nicht ans Telefon gegangen bin (weil mein Kind dauernd brüllte).

Auch tut es mir leid, dass ich nicht die eineinhalbstündige Busfahrt zu eurem neuen Haus geschafft habe und es nach einem dreiviertel Jahr immer noch nicht gesehen habe.

Es tut mir leid, dass ich unsere Verabredungen kurzfristig absagen musste (weil mein Kind plötzlich Fieber hatte).

Blöd von mir ist, dass ich nicht auf eure Nachrichten reagiere (weil ich es vor Müdigkeit einfach vergesse).

Es tut mir leid, dass ich nur noch über mein Kind rede (ich habe mich ja schließlich beinahe aufgelöst).

Außerdem bedaure ich, dass ich euch nicht gut zuhöre (weil mein Kind dazwischenfunkt oder ich zu müde bin oder zu neidisch auf eure freie Zeit).

Ach, mir tut so vieles leid!

Ich wünschte, ihr könntet es verstehen. Gebt mir meine Zeit, um klar zu kommen, um mich wieder selber zu finden, um wieder denken zu können.

Wenn ihr durchhaltet, dann werden wir wieder zusammenfinden, bestimmt!

Soziale Kontakte sind elementar wichtig

Warum ich diese Liebeserklärung hier abgebe, ist eigentlich ganz einfach. Es geht mir darum, die Wichtigkeit sozialer Kontakte zu feiern. Vor allem die von Freundschaften.

Studien zu allen möglichen Problembereichen oder psychischen Störungen belegen gleichermaßen: soziale Unterstützung ist ein großer Faktor, der die Gesundheit fördert und erhält. Außerdem vermindern gute soziale Kontakte das Auftreten vieler psychischer Probleme.

Sofern es also möglich ist (und wie jetzt bekannt ist, ich weiß dass es nicht einfach ist) sollte in die Beziehungen investiert werden, die geschätzt werden.

Um Freundschaften zu pflegen gibt es kein Patentrezept. Dafür sind soziale Interaktionen viel zu schwierig. Und es gibt schließlich auch unterschiedliche Qualitäten von sozialen Kontakten.

Alte Freundschaften zu halten ist ebenso schwierig wie neue Freunde finden als Eltern.

Freundschaften sind unterschiedlich

Ich hatte Kolleginnen, die ich auch als Freunde bezeichnet hätte, und zu denen ich zu einer gewissen Zeit einen sehr engen und wertvollen Kontakt hatte, der dann aber auch vorbei war.

Mit anderen Freundinnen, spreche ich manchmal monatelang nicht, und das ist auch vollkommen egal.

Ich hatte Freundinnen, mit denen ich gerne feiern gegangen bin, und sonst nichts.

Ich habe viele Freunde gehabt, als ich noch keine Mutter war. Und Freunde finden als Eltern und bestehende Beziehungen pflegen gehört beides zu mir.

Alte Freundschaften als Eltern pflegen

Jede Art der Beziehung erfordert eine besondere Herangehensweise. Manches ist aber ähnlich.

Ich empfehle daher:

  • Offen die eigene Situation schildern. Ob Müdigkeit, Überforderung oder was auch immer: es ist einfacher zu verstehen, warum sich jemand nicht meldet, wenn man den Grund kennt.
  • Gegenseitige Bedürfnisse abfragen: „Nervt es dich, dass ich nur über mein Kind rede? Worüber möchtest du reden?“
  • Ehrlich reagieren: „Ich freue mich mit dir, dass du befördert worden bist. Aber ich kann mich gerade kaum konzentrieren. Ich möchte dir lieber richtig zuhören können, wenn du das erzählst.“
  • Gefühle äußern: „Ich bin enttäuscht, dass du dich so lange nicht gemeldet hast. Was war der Grund?“

Alte Freundschaften als Eltern pflegen

Nicht alle Freundschaften werden das erste Jahr mit Baby überdauern. Das ist traurig und darf auch betrauert werden. Ich vermisse einige Freundinnen sehr und denke gerne an sie. Und ein Teil von mir hofft, dass unsere Wege uns noch einmal zusammenführen werden.

Aber auch neue Freundinnen kommen dazu, und manche verschüttete Freundschaften tauchen wieder auf.

Es gibt inzwischen viele Online-Plattformen, wo man andere Eltern kennenlernen kann. Und sonst bleibt nur das offene Gespräch auf dem Spielplatz zum Freunde finden als Eltern.

Im Mamamindful Journal habe ich noch zwei Seiten eingefügt, die du an deine beiden liebsten Freundinnen schicken kannst, und auf denen du ihnen etwas mitteilen kannst, was dir auf dem Herzen liegt. Und eines, was ich an meine Freunde geschickt habe.