Baby anstrengender als gedacht – Psychologische Soforthilfe

Baby anstrengender als gedacht!

Ich habe nichts mehr gehasst als die Frauen, die im ersten Jahr mit Kind auf Wolke 7 schweben. Die davon angetan waren, ihr Leben genossen und es erfüllend fanden, sich um ihr Baby zu kümmern. Die mir erzählten, wie wundervoll es war und wie glücklich sie waren.

Ich wollte so gerne dazu gehören, und ich habe es mir vorher auch so romantisch vorgestellt. Meine Erwartungen und Wünsche, die ich hatte, wurden einfach nicht erfüllt. Vielleicht weil sie zu überzogen waren, vielleicht weil meine Tochter sehr schwierig war, oder vielleicht weil ich einfach nicht der passende Typ dafür bin. Die Zeit mit Baby war anstrengender als gedacht.

Alles ist anstrengend – das löst oft Wut aus

Als das Jahr weiter fortgeschritten war habe ich mich immer wieder bei dem Gedanken ertappt, dass ich die Zeit mehr genießen müsse. Schließlich würden die anderen Pflichten allzu bald dazu kommen. Doch ich konnte nicht. Ich genoss nicht. Und ich machte mich selber dafür fertig, dass ich dies nicht tat.

Ich wurde ärgerlich auf meine Tochter, dass sie es mir noch nicht einmal gönnte, in Ruhe irgendwo einen Kaffee zu trinken. Natürlich gönnte sie mir das. Sie war ein Baby. Sie verstand nichts von gönnen. Sie handelte nur nach ihren Bedürfnissen.

Ich wurde ärgerlich auf meinen Partner, dass dieser nicht erleuchtet war von der Elternschaft und sich voller Freude unserem Kind zuwandte, wenn er nach Hause kam.

Voller Neid betrachtete ich andere Familien und Mütter und fühlte mich ungerecht behandelt und benachteiligt.

Jammern über das Baby

Das alles zähle ich zu Jammern. Und natürlich auch Jammern auf hohem Niveau. Mir ging es in vielen Bereichen immer noch besser als vielen anderen Müttern. Doch wie ich schon schrieb: auch meine Gefühle hatten ihre Berechtigung.

Ich halte Jammern für sehr wichtig und auch in gewisser Weise heilsam. Sich selber etwas einzugestehen oder jemandem sein Herz auszuschütten ist gut und richtig. Es kann manchmal sogar etwas Lustvolles haben, sich im Selbstmitleid zu versenken.

Jammern macht oft handlungsunfähig

Menschen die jedoch dauernd Jammern kommen schlecht aus der bejammernswerten Situation heraus. Sie stecken in dem Tal fest und bewegen sich nur in Gesellschaft der negativen Gedanken und Gefühle.

Daher ist es wichtig, aus dem Jammern etwas Konstruktives zu machen. Wenn ich meinen Frust, Ärger oder meine Traurigkeit ausgesprochen habe und sie mir bewusst sind, dann kann ich auch im nächsten Schritt eine Handlungskonsequenz ableiten. Und, sollte dies nicht erfolgen, so sollte wenigstens der ausgesprochene Jammer an seiner Massivität verloren haben.

Nimm dir Zeit, deine Gefühle auszusprechen!

Viele der Artikel in diesem Jahr beschäftigen sich mit meinem Jammer oder auch den negativen Aspekten der ersten Zeit. Damit, dass es mit Baby anstrengender als gedacht ist. Aber jeder Artikel versucht auch einem Weg hinaus anzudeuten oder einer Möglichkeit des besseren Umgangs zu vermitteln.

Ich bin nicht der Maßstab aller Dinge und daher gehe ich davon aus, dass du noch andere Erfahrungen in dieser Zeit gemacht hast, die dich belasten oder die dir schwer auf der Seele liegen.

Und dafür soll in dieser Woche Platz gefunden werden. Du sollst jammern dürfen.

Im Mamamindful Journal habe ich dir eine schrittweise Übung vorbereitet, wie du deinen Mama Jammer bearbeiten kannst.

Massive Überforderung mit Baby – Suche dir Hilfe!

Mir ist es wichtig erneut darauf hinzuweisen, dass es große und schwerwiegende Schwierigkeiten gibt, die behandlungsbedürftig sind.

Auch gibt es im Rahmen von psychischen Erkrankungen, zum Beispiel der postpartalen Depression, Zustände, die alleine nicht bewältigt werden können, auch nicht mit Hilfe von Mamamindful. Eine Übung wie die aus dieser Woche kann dann die Situation im schlimmsten Falle noch verschlechtern.

In solchen Fällen ist ein Gang zum Psychiater und Psychotherapeuten absolut notwendig. Das Aussitzen führt oft zu noch mehr Verschlechterung, die nicht zwingend sein muss.

In allen anderen Fällen sorgen solche Übungen meist für eine Entlastung, und die konkrete Beschäftigung mit dem Jammern kann einen Raum dafür schaffen, der abgeschlossen und zeitlich begrenzt ist. Dadurch wird an anderen Stellen wieder Platz für positive und konstruktive Gedanken und Gefühle geschaffen. Und so sollte es im Idealfall auch sein.