Angst um Baby: Praxistipps

Angst um Baby: Nach ein paar Wochen mit dem Baby, als sich mein Geist und Körper langsam begonnen haben, an die neue Situation anzupassen, überkam mich plötzlich ein überwältigendes Gefühl von Angst.

Es war eine Mischung aus diffuser Angst und spezifischer Angst. Und als diese Angst in meinem Hirn angekommen war, war sie überall präsent.

Ich hing stundenlang über meinem schlafenden Kind. Horchte, prüfte den Puls, die Temperatur. Ich las im Internet schreckliche Geschichten von Menschen, die ihr Kind verloren hatten. Ich wurde mehrfach relativ grundlos bei unserer Kinderärztin vorstellig. Ich fühlte mich hilflos und voller Sorge und Panik.

Inzwischen weiß ich, dass es vielen Frauen so geht. Dass sie Träume haben, dass dem Kind etwas passiert oder dass sie sich über die Maßen sorgen. Dass Sie Angst um das Baby haben.

Es ist ja auch wirklich erstaunlich: plötzlich ist ein neues Leben da, und es liegt nicht alles in der eigenen Kontrolle. Es besteht ja tatsächlich die Gefahr, dass das alles genommen werden kann.

Sicherlich ist das so, und es ist auch wichtig, diesem Prozess der Angst zu begegnen. Die neue Rolle der Mutter wird gelernt, und damit auch die neue Verantwortung und die neue Liebe. Und dazu gehört auch die Angst.

Der Sinn der Panik um dein Kind

In meinen Angstbewältigungsgruppen habe ich ganz häufig die Gruppe eröffnet mit „Angst ist ein gutes Gefühl. Denn es sichert das Überleben. Ein Mensch, der keine Angst hätte, der würde nicht lange leben. Er würde auf die Straße laufen, angstfrei, und würde von einem Auto überfahren werden.“.

Es stimmt. Auch meine Angst war berechtigt. Sie sicherte die Sorge um mein Kind. Sie sichert meinem Kind das überleben. Denn sie unterstützte mich dabei, mich um das Kind zu kümmern.

Evolutionsbiologische Angstprogramme

Evolutionsbiologisch ist Angst sinnvoll: ein biologisches Programm wird abgerufen. Die Pupillen weiten sich, der Atem geht schneller, man beginnt zu schwitzen, der Herzschlag steigt. Die perfekte Voraussetzung, um vor dem Tiger zu fliehen, der zu Höhlenzeiten vor uns stand.

Heute hingegen sind diese Prozesse nicht mehr sinnvoll. Unsere Ängste beziehen sich meist weniger auf Tiger, vielmehr auf lebenspraktische Themen. Und da braucht es keinen erhöhten Herzschlag.

Dieser erhöhte Herzschlag, beziehungsweise die Wahrnehmung dessen, kurbelt die ganze Angst noch an. Denn dadurch, dass wir einen hohen Herzschlag  als bedrohlich einstufen, beginnt ein wahrer Teufelskreis, der nicht selten in einer Panikattacke endet.

Angst lässt sich gut behandeln

Angst- und Panikstörungen gehören zu den psychischen Erkrankungen, die sich am besten behandeln lassen. Sollten diese in einem pathologischen Ausmaß auftreten, sollte dringend eine Psychotherapeutin aufgesucht werden.

In meinem Fall habe ich mich bemüht, mein Wissen und meine Erfahrung auf meine Situation anzupassen. Dabei habe ich mich vor allem auf drei Übungen gestützt:

  • Eine Übung zum Unterbrechen der Gedanken
  • Eine Übung zur Achtsamkeit
  • Ein Angsttagebuch.

Diese drei Übungen findest du wieder im Mamamindful Journal. Alle Arbeitsblätter zur Angstbewältigung sind dort auch eingefügt.

Hilfe suchen, wenn die Angst zu groß wird

Und auch wenn diese Methoden sehr hilfreich sind, kann ich mir gut vorstellen, dass manche Mütter noch mehr Hilfe in Anspruch nehmen müssen. Gerade wenn die Ängste sehr massiv sind oder werden und die Angst um das Baby immer mehr wächst.

In jedem Falle ist es gut, darüber zu reden, ob mit dem Partner, einer Freundin oder der Familie. Am besten ist es aber, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Auch davor sollte sich keiner scheuen.

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