SCHLAF KINDLEIN SCHLAF – Babyschlaf fördern

Das Schlimmste, das Allerschlimmste und Schlimmste und Schlimmste der ersten Zeit mit Baby war für mich, dass ich einfach nicht mehr schlafen konnte. Ich liebe Schlafen. Ich habe schon immer gerne und lange geschlafen. Mir war zwar bewusst, dass es anders werden würde, aber in welcher Massivität der Schlafmangel mein Leben beherrschen würde, das war mich nicht klar.

Es war eine neue Dimension von Müdigkeit. Ich lief rum wie ein Zombie. Alles was ich wollte, war schlafen. Ich hatte keine anderen Wünsche mehr im Leben. Nur schlafen. Ich konnte nicht mehr denken, mich nicht mehr konzentrieren, hatte auf nichts Lust und an nichts Freude.

Die meisten Mütter erleben diese krasse Umstellung in den ersten Wochen. Vielleicht bist du gerade mittendrin. Dann hast du mein volles Mitgefühl.

Living on the edge

Schlafstörungen sind eine der häufigsten Begleiterscheinungen oder Mitverursacher von Depressionen. Schlafentzug ist sogar eine bewährte Foltermethode (!). Schlaf ist eines der primären Grundbedürfnisse des Menschen. Wird dieses nicht erfüllt, baut alles Weitere auf sehr dünnem Boden auf. Dies auszuhalten erfordert also alles, was der Mensch zu geben hat.

Nun wachen die meisten kleinen Menschen mehrfach in der Nacht auf. Alle paar Stunden melden sie ihre Bedürfnisse an. Sie haben noch keine innere Uhr, haben kein Verständnis von der Welt und den Regeln, die wir aufgestellt haben. Sie kommen aus einem All-inclusive-alles-ist-immer-erlaubt-und-immer-verfügbar-Urlaub in der Gebärmutter in eine Umgebung voller neuer Reize: Wärme, Kälte, Hunger, Gefühle, Trennung, Schmerzen. Da ist es eigentlich ganz verständlich, dass nach der Sicherheit der Mutter gerufen wird.

Jetzt kommen, bei allem Verständnis, allerdings auch die Bedürfnisse der Mütter mit ins Spiel. Und das wichtigste Bedürfnis ist erst einmal der eigene Schlaf. Und nun zeigen sich alle Mamas als wahre Heldinnen und beginnen eine meist lebenslange Handlungsstrategie: die eigenen Bedürfnisse verdrängen. Das ist in dieser Situation bestimmt das Beste für das Kind, und es muss auch einfach sein. Allerdings ist es ein wahrlich großes Opfer.

Wie kann diese Zeit jetzt also überstanden werden? Was kann tatsächlich getan werden, um zu überleben? Wie immer kann man an zwei Seiten ansetzen: die Situation verändern und versuchen, den Schlaf zu fördern, oder an dem eigenen Umgang mit dem Problem arbeiten. Diese Woche schauen wir uns Möglichkeiten für einen besseren Schlaf an, und nächste Woche dann, was du selbst machen kannst.

Tipps für besseren Babyschlaf

Kann das Baby tatsächlich lernen, besser zu schlafen? Schneller einzuschlafen, länger durchzuschlafen? Hunderte von Lehrbüchern werfen mit Theorien und Tipps um sich. Ich möchte nur einige Rausgreifen. Bei allen Ratschlägen ist es fundamental wichtig, dass sie regelhaft und über eine längere Zeit durchgeführt werden. Zu viel hin und her kann die Situation sogar noch verschlimmern.

Diese Aufzählung soll inspirierend sein. Sie stellt kein unumstößliches Regelwerk dar. Es ist eine subjektive Auswahl dessen, was mir besonders sinnvoll erschien. Als Überblick findest du sie auch im Mamamindful Journal.

  • Die Pause

Das Baby wacht auf und gibt Geräusche von sich. Viele Mütter stürzen jetzt direkt zum Beistellbett oder der Wiege, nehmen das Kind hoch oder beschäftigen sich mit ihm. Das ist aus Bindungstheoretischer Sicht auch sehr sinnvoll. Es kann ja noch nicht alleine sein, es versteht es nicht, es ist hilflos. Den Kontakt anzubieten scheint also genau richtig.

Ein kleiner Kniff kann hier allerdings durchaus helfen. Beginnt das Baby sich bemerkbar zu machen, sollte eine kurze Zeit verstreichen, bis sich dem Kind zugewandt wird. In dieser Zeitspanne erhält das Kind die Chance, sich selber wahrzunehmen und zu regulieren. Wird direkt dem Bedürfnis entsprochen, hat es gar keine Möglichkeit, diese Fähigkeit auszubilden. Es erhält die Sicherheit durch die Mutter, die sich schließlich zuwendet, und kann eine Verknüpfung erstellen. Zusätzlich kann es, beim nächsten Erwachen, diese Lernerfahrung zum Einsatz bringen und eventuell selbst wieder einschlafen.

  • Der Rhythmus

Als Verhaltenstherapeutin bin ich natürlich sehr für Strukturen zu haben. Logischerweise müssen alle Regeln erst erlernt und trainiert werden, um zu funktionieren. Das gilt auch für einen Tag- und Nachtrhythmus. Regelmäßige Schlafens- oder Ruhezeiten, gleichförmige Tagesabläufe, all das schafft einen sicheren Rahmen für Mutter und Kind und fördert die Eingewöhnung in diese komplizierte Welt. Gerade bei Säuglingen ist dies quasi nicht möglich. Sie kennen ja noch nichts. Die ersten Wochen, sogar Monate, werden bei dieser Methode keine Verbesserung bringen. Ein Kind wach zu halten oder zum Schlafen zu bringen ist beides kompliziert. Aber es gibt Hilfestellungen. Die frische Luft beim Spaziergang. Der abgedunkelte Raum zur Schlafenszeit. Die Spieluhr. Die Zeit auf dem Spieleteppich. All diese Elemente fördern das Lernen einer Struktur.

Wichtig hierbei ist allerdings auch, den Schlaf nicht zu verkürzen oder ganz zu streichen! Es heißt nicht, dass das Kind besser oder länger schläft, wenn der Vormittagsschlaf verhindert wird. Es würde also vielmehr darum gehen, Beschäftigungen anzubieten oder eben nicht.

Ich persönlich habe zum Beispiel, wenn mein Kind nachts wach wurde (und sie war eine miserable Schläferin), stets möglichst langweilige Dinge gemacht. Stillen oder Füttern, und wenn dann immer noch Action angesagt war, im Bett bleiben, beruhigen, kein Licht, in der dunklen Wohnung spazieren. Es gab nachts kein Spielen oder sonstige Aktivierungen. Ich wollte mein Kind nicht mit einer positiven Sache dafür belohnen, dass es nicht schläft. Tagsüber habe ich dafür immer viel dafür getan, dass genügend schöne Dinge passieren (wenn ich nicht zu müde dafür war).

  • Das Gewähren

Eine weitere bewährte Methode, die fast schon gegensätzlich zu der oben genannten Art ist, stellt das absolut bedürfnisorientierte Handeln dar. Hier gibt das Kind den Takt vor, es schläft, wann es schläft, und ist wach, wenn es wach ist. Die Mutter begleitet und reagiert entsprechend des Bedürfnisses. Das Baby wird genügend Schlaf bekommen, zu seinen Zeiten. Hier wäre mein persönlicher Tipp: alles stehen und liegen lassen, nicht aufräumen oder putzen, sondern direkt mitschlafen! Es ist schließlich nicht bekannt, wann die nächste Schlafphase kommt oder wie lange sie anhält.

Es gibt genügend Studien die zeigen, dass sich so ein Verhalten positiv auf den Schlafrhythmus auswirkt. Ganz nach dem Motto „Schlaf zieht Schlaf an“.

Intuitiv wählen viele Mütter diesen Weg. Schon allein, weil die Freude groß ist, wenn das Kind mal schläft, und die Kraft gering, um wilde Theorien auszutesten. Also lasst euch gesagt sein: auch dies ist ein guter Weg!

  • Die Anwesenheit

Die Mutter sollte da sein und auf das Kind reagieren. Es ist mir persönlich wichtig zu erwähnen, dass ich „ausschreien lassen“ nicht für sinnvoll erachte. Auch wenn es tatsächlich so ist, dass Kinder irgendwann weniger schreien, so tun sie die nicht weil sie gelernt haben sich selber zu regulieren, sondern aus Energieverlust. In den ersten Wochen ist der Säugling dazu einfach noch nicht in der Lage, er besitzt gar nicht die Fähigkeit!

Daher sollte, wenn es irgendwie möglich ist, auf das sich bemerkbar machende Kind eingegangen werden. Es richtet keinen Schaden an, wenn die Mutter einmal nicht direkt aufspringt und aus Erschöpfung noch liegen bleibt. Es richtet aber auf Dauer Schaden an, wenn das Kind immer wieder die Erfahrung macht, dass es allein gelassen ist mit seiner Suche nach Orientierung.

Wenn du die Worksheets und Infosheets direkt anschauen möchtest, klicke hier.


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