TRAUM ODER TRAUMA – Die Geburt

Wie in der letzten Woche angekündigt schauen wir uns diese Woche noch einmal die Geburt weiter an. Zwei Punkte waren mir wichtig:

  • Der tatsächliche Ablauf der Geburt ist nicht so wichtig wie die Bewertung der Situation.
  • Die Geschichten die wir erzählen werden die Wahrheit.

Über den ersten Punkt haben wir letzte Woche schon gesprochen. Jetzt widmen wir uns dem zweiten.

Die Geschichten, die wir erzählen, werden die Wahrheit

Wieder möchte ich mit einem Beispiel beginnen. Ich erzähle die Geschichte der Geburt meiner Tochter:

Schrecklich, oder? Was musste ich da alles mitmachen! Erst eine Fehleinschätzung im Krankenhaus, dann keine Untersuchung oder Medikation, dann noch nicht mal eine liebevolle Betreuung. Nicht gerade eine Traumgeburt.

Aber ich möchte die Geschichte noch einmal erzählen:

Wunderbare Geburt! Keine Schwierigkeiten bei Mutter und Kind, vollkommen natürliche Geburt. Wie es sich jede wünscht.

Beides sind meine Geschichten, beides ist die Wahrheit. Ich kann es so und so erzählen. Und das ist das Interessante: So wie ich es erzähle, so ist es dann auch. Wenn es mir darum geht, möglichst viel Mitleid zu erhaschen, dann wähle ich natürlich lieber Variante 1. Wenn ich mich aber besser fühlen möchte, dann lieber Variante 2.

Denn es ist ja so: Das was ich denke und das was ich erzähle, das sind genau die Verbindungen im Kopf, die durch das Wiederholen stärker werden. Das, worauf ich mich fokussiere, wird stärker.

Ich schaffe mir mein ICH und meine Realität durch meine Gedanken und Bewertungen der Welt. Wenn ich in einen Tag starte und denke, dass eh nichts gelingen kann, werde ich auch nur die schlechten Dinge sehen. Das ist zu einfach? Nein! So und nicht anders funktioniert das Gehirn.

Das soll jetzt nicht heißen, dass die negativen Ereignisse weggelächelt und verschwiegen werden sollen, mitnichten. Eine schreckliche Geburt bleibt schrecklich, auch wenn das Kind nachher sehr geliebt wird und man dafür dankbar ist.

Bei diesem Punkt geht es jetzt nur darum, dass es vielleicht auch Momente gab, die sehr schön waren, die vielleicht schneller in Vergessenheit geraten, wenn man nur das Schlimme erinnert.

Ich höre zum Beispiel immer noch die Stimme der Hebamme die sagt „Nein Johanna, jetzt hast du Wehe verschenkt. Du musst Atem halten.“ Und erinnere mich an die Panik, dass ich alles falsch mache und es niemals enden wird, wenn ich das nicht hinbekomme.

Aber ebenso erinnere ich mich daran, dass ich voller angespannter Vorfreude auf dem Petzi Ball rumgehüpft bin und auch so neugierig darauf war, was passiert. Dass ich die Wehenschreiber aus den anderen Zimmern auf dem Bildschirm angeschaut habe und irgendwie mitgefiebert habe. Dass ich Trinkpäckchen angereicht bekommen habe und wie unglaublich wundervoll so ein Kirschkernkissen sein kann.

Erinnere das Positive

Nachdem du letzte Woche deine Erlebnisse bei der Geburt deines Kindes aufgeschrieben hast, wollen wir jetzt genau dort weiter machen.

Im nächsten Schritt wollen wir den Fokus auf das Positive verschieben. Mit ist es wichtig zu sagen, dass es nicht darum geht, sich etwas schön zu reden. Gerade negative Dinge wollen benannt werden und müssen raus. Das ist einer der Hauptgründe, warum ich diesen Blog schreibe! Ich habe so viel Negatives erlebt, von dem ich oft das Gefühl hatte, ich dürfe es nicht sagen, weil ich gefälligst dankbar sein sollte.

Da du ja letzte Woche deine Geschichte aufgeschrieben hast, kannst du sie jetzt umschreiben. Ganz oder in Stichworten- greife nur das Positive heraus. Wenn du nicht weißt, womit du anfangen sollst, dann beginne damit, dass dein Kind auf der Welt ist und dein Körper es ausgetragen hat. Auch kann es manchmal helfen, sich an die positiven Wendungen zu erinnern, die auf eine negative Entwicklung folgen.

Diese Übung soll dazu dienen, negative Gefühle durch die Geburt nicht an erste Stelle zu setzen. Es ist ganz natürlich, dass sie Überhand nehmen, vor allem am Anfang. Ein solch großes Lebensereignis will schließlich in das Gehirn integriert werden. Dieses Integrieren erfolgt aber auch über die Bahnen, die dein Gehirn nach der Geburt aufbaut. Und damit sich nicht nur düstere Bahnen bilden, nehmen wir uns jetzt mal die positiven Elemente vor.

Wenn du die Worksheets und Infosheets direkt anschauen möchtest, klicke hier.


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